Samstag, 8. Februar 2020

Santiago der Chile

Anstatt direkt in den Norden weiter zu fahren, machen wir einen Abstecher nach Santiago de Chile. Hauptstädte sind immer etwas spezielles, wir legten den Fokus unseres Kulturprogramm, auf besonderen Wunsch von Paul, auf die Präsidenten. Als erstes haben wir den Hauptfriedhof angesteuert, auf dem die ehemaligen Präsidenten begraben sind, auf einer Art "Allee der Zeitgeschichte". Paul legte an Allendes Grab fünf Nelken nieder und wir kamen mit einige älteren Damen, die davor saßen ins Gespräch über die Geschichte und Familie.

Der gesamte Friedhof hat etwas mystischen, lauter Mausoleen, verfallene Gruften, unterschiedliche Denkmäler machen ihn zu einen etwas anderen Sehenswürdigkeit.

Danach war der aktuelle Präsident dran mit dem Präsidentenpalast Moneda. Leider hat er uns nicht direkt empfangen, daher blieb es bei einer Besichtigung, einem Stadtbummel und etwas Erholung im Stadtbergpark… endlich Mal wieder wandern.

Abends wollten wir zurück zu unserem riesigen Appartementkomplex, der einen ganzen Block einnahm. Dabei kamen wir wieder in eine Demonstration, die die Hauptstraße blockierten. Zu den politisch Motivierten gesellten sich jedoch schnell extremere Geister. Einige rissen die Straße auf um Wurfmaterial zu generieren. Andere bedrohten die Autos, um Geld herauszuschlagen oder Spiegel und Karosserie einzuschlagen. Selbst Kinder liefen mit Spitzhacke vor die Autos um Geld zu kassieren.

Nach einiger Zeit löste die Polizei den gesamten Trubel schnell und professionell auf.

Danach philosophierten wir noch, bei einigen Cervezas über die diversen Revolutionen der Menschheitsgeschichte.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Valparaiso

Valparaiso war wieder ein Ort mit vielen Facetten, drum sind wir drei Nächte hier geblieben. Als wir einparken wollten, bedrängten uns gleich einige "Busbahnhofsbewohner", dass wir nicht vor ihrem Sofa auf dem zertrümmerten Weg parken sollten. Erst dachten wir, dass wir ihren schönen Straßenblick blockieren, später stellte sich heraus, dass es die örtliche Waschstraße war.

Hostel von Eva und Marco war super, mit Blick auf das Parlamentsgebäude, gegenüber vom Busbahnhof, im Hafenviertel. Beide sehr fröhlich und hilfsbereit. Es wurde wieder einmal alles komplett durchgewaschen und sie räumten ein 6er Dormitorio für uns. Das Hafenviertel bot leider die gesamte Palette der Cliches, die man sich vorstellen kann, inklusive dem Gestank an der Fischecke. Dort wurden ehemals frische Fische in knalliger Sonne, gut durch gebräunt, den ganzen Tag angeboten.

Wir passierten die Hafenecke und den Dorfplatz um zum El Moulin zu gelangen, dass uns unsere Hostelwirte empfohlen haben. Dort gab's riesige Portionen, gut gelauntes Personal und Gäste. Es legte dann noch ein DJ mit Latino Musik auf, der jeden Tisch einzeln begrüßte und versuchte in die Show einzubettwn. Da wir schon seit mehreren Stationen aus der üblichen Pauschal- und Aussteigerregion raus sind, fallen wir so oder so auf und es spricht sich schnell rum, dass da "cinco alemanes" (die 5 Deutschen) sind.

Vom Nebentisch wurde ich noch im späteren Verlauf auf einen Schluck Wein eingeladen. Die 4 Herren hatten irgendwie mit dem örtlichen Bauwesen zu tun. Die Tochter von einem will diesen Sommer nach Deutschland zum studieren. Er glaubte nicht, dass man nahezu umsonst eine akademische Ausbildung bekommen konnte. Die Großfamilie legt zusammen für Flug und Grundkosten. Durch solche Möglichkeiten hinterlässt Deutschland einen positiven Fussabdruck in der Welt.

Am Sonntag war hier Flohmarkt, im wahrsten Sinne des Wortes. Alles wurde hier verkauft, mehrfach getragene Sachen, zerschliessene T-Shirts, kaputte Handyhüllen, halbe Stahlbolzen, Teile von Ladegeräten, … und paar Flöhe gab's wahrscheinlich gratis dazu.

Mittags sind wir in Casablanca zu einer Weinverkostung auf ein Hof gefahren. Jedoch war hier die Nobelecke und die Weine fingen bei 100€ an. De zweite war etwas günstiger, aber nicht das was wir suchten. Wir wollten eine schöne Ecke zum wohnen und einen alten heruntergekommen Weinkeller, bekommen haben wir es genau umgedreht.

Trotz dieser missglückten Weintour, schlug die ausgleichende Gerechtigkeit zu. Diesmal in Form eines Rodeo Turnieres, das auf dem Weg von der ersten zur zweiten Weinstube statt fand. Hier zeigten junge und alte Farmer, wie sie ihre Pferde beherrschten und Kühe einfangen konnten. Wichtige Fähigkeiten für die freilaufenden Rinderherden, die hier trainiert, präsentiert und gemessen werden konnten.

Danach durch die Touri-Meile im Norden. Das Essen sah nicht schlecht aus, jedoch preislich völlig abgedreht. Daher sind wir zurück und gegenüber vom Busbahnhof in ein einheimisches Lokal, in der es Fleischberge und ganze Fische gab.

Am dritten Tag haben wir uns das künstlerische Viertel angesehen. Sind mit einer Zahnradbahn gefahren, die dort wie ein Fahrstuhl in der Stadt zu den Hügeln führt. Gefrühstückt mit Gitarrenmusik und einem erstklassigen Moca in dem sich langsam ein ganzer Kakaobrocken auflöste.

Auf dem Weg dahin war es etwas beschwerlich, da wir die Zahnradbahn erst später gefunden haben. Zudem lag hier etwas in der Luft, zwei Ecken vorher hab ich schon angefangen zu niesen und zu schnauben. Die Quelle haben wir dann zielgerichtet gefunden und haben sich durchquert: eine enge Gasse, die scheinbar mit Pfefferspray oder Tränengas gefüllt war. Hustend mit roten Augen und kratzenden Hals schafften wir es auf die andere Seite. Hier bemerkten wir erst, dass die Einheimischen sich alle mit Tüchern schützten.

Die Elektromobilität hatte hier auch schon vor Jahrzehnten zu geschlagen. Verrostete Elektrobusse hupten sich in den vollen engen Gassen den Weg frei.

In der Wechselstube, die gleichzeitig der Lampenreperaturladen war, nahm sich der Besitzer erstmal viel Zeit die Drähte einzeln zusammen zu drehen und mit Isolierband abzukleben, bevor wir dran waren. Der Wechselkurs war jedoch so marode, wie die aufgerissene Straße am Busbahnhof. Er meinte sogar selbst, dass wir uns was besseres suchen sollten…

Naja in der Hauptstadt Santiago unseren nächsten Station wird's wohl eine gute Chance geben.


Dienstag, 4. Februar 2020

Route 40 über Panamericana Sud zur 66

Wir wollen zur Panamericana Süd, somit von einer legendäre Route auf die andere.

Wir verabschieden uns von der Route 40, damit Argentinien, kurz vor der Grenze. Wahrscheinlich ist es unser letzte chilenisch/argentische Stempelei.

Es ging zügig durch, jedoch musste das Auto komplett ausgeräumt und alle Taschen aufgemacht werden. Normalerweise war die chilenische Seite besser ausgestattet, Bańos, Strassenverhältnisse, mit elektronischer Erfassung,… hier wars umgedreht.

Zwischenrast haben wir wieder in einem kleinen Ort gemacht mit lokaler Moca, Kuchen und Completo - eine Art Hotdog, hier mit scharfen Würstchen, Tomaten, Guacamole und Mayo.

In Temuco machten wir Zwischenstation, eine große Industrie und Ranzstadt, die schon bessere Zeiten gesehen haben muss. Zumindest die Teile die wir durchquert haben. Es gab freie Flächen in den Einheimische gecampt und überlebt haben, die dann nächsten Tag wortwörtlich ihre Zelte abgebrochen haben um auf Arbeit zu gehen. Die Wohnung wird im Rucksack verstaut und in den Spint gepackt.

Der Weg zum Hostel war durch Demonstranten blockiert. Polizei sperrte die Region mit vielen Einsatzkräften und löste die Menge mit Tränengas auf. Bisher hatten wir nur die Auswirkungen der Unruhen gesehen, wenn man sich den Aufbau dieser Stadt ansieht kann man den Frust verstehen. Die Lebenserhaltungskosten entsprechen den deutschen, das durchschnittliche Einkommen des Großteils der Bevölkerung beträgt nicht mal 500€.

Es war Freitag Abend, aber gegen 20.00 wurden alle Läden verbarrikadiert und mehrfach gesichert. Mit dicken Metallplatten, Gittern, Holzverschlägen, Stacheldraht…

In einem kleinen Kuchen- und Eissbar haben wir noch etwas zu Essen erwischt, bevor sie schloss.
Die Stadt überzeugte uns auch nicht am nächsten Morgen, als selbst um 9.00 alle Buden und Frühstücks Restaurant weiter zu waren, also sind wir schnell weiter… wer weiß was hier am Wochenende los sein wird, anscheinend keine gemütliche Fiesta

Unterwegs wurden am Strassenrand immer wieder Käseleiber verkauft, die wir dann auch Mal bei einer Pause erstanden.

Dann weiter die Panamerica Sud hoch, entang an Obstbau und Beerenfelder. Diesmal schoben sie die Berge der Anden auf der anderen Seite hoch. Weiter auf der Strecke würden die Käsestände von jeder Menge Strassenstände mit Erd-, Blau-, Him- & Brombeeren abgelöst, die wir natürlich auch verkostet und mitnahmen.

Leider auch jede Menge Mautstationen und riesige Sonnenblumfelder setzten Akzente auf der sonst trostlosen Autobahn.

Wir nahmen daher irgendwann den längeren Abzweig, der chilenischen Route 66 auf der Route del Vino mit Flüssen und Weinfeldern zu unserem Ziel Valpariso.